Staupe – die vergessene Gefahr?

In den letzten Wochen häufen sich wieder bei uns in der Region Fälle von erlegten Füchsen, die deutliche Symptome der Staupe aufweisen. Mehrere Tiere sind daher ins Landeslabor nach Neumünster zur weiteren Untersuchung gegangen. Ein Ergebnis steht derzeit noch aus, ein positiver Nachweis ist jedoch sehr wahrscheinlich.

Aber was ist Staupe eigentlich?

 

Viele kennen die Staupe (auch Carrésche Krankheit oder Canine Distemper genannt) nur aus den Medien - etwa 2002, als viele Seehunde an der Virusinfektion verstorben sind. Aber das Staupevirus – ein Paramyxovirus, das zwar mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist, bei uns jedoch keine Krankheit hervorruft – befällt nicht nur Seehunde sondern auch Hundeartige, wie Füchse, Marder, Waschbären, Wölfe und auch unsere Haushunde.

 

Sowohl die Zuwanderung von Wildtieren, als auch der steigende (illegale) Import von infizierten Auslandshunden sowie eine zunehmende Impfmüdigkeit der Tierbesitzer lässt diese Krankheit wieder mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Wie verläuft die Krankheit?

Die Ansteckung kann bereits durch die Gebärmutter beim ungeborenen Welpen stattfinden. Ein weiterer Infektionsweg ist die sogenannte Tröpfcheninfektion, bei der infizierte Sekrete (z.B. Nasenausfluss) und Exkrete (Speichel, Kot und Urin) über das Maul (Belecken) oder die Atemwege (Beschnüffeln) direkt aufgenommen werden. Eine indirekte Übertragung über Futternäpfe, Kleidung etc. ist zwar prinzipiell möglich, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle.

 

Paramyxovirus

Nach etwa 3-7 Tagen treten die ersten Symptome auf. Der Beginn der Krankheit wird durch hohes Fieber um die 40°C über 1-2 Tagen gekennzeichnet. Die Tiere zeigen Appetitlosigkeit und wirken apathisch.  Ein sehr gutes Immunsystem kann das Virus vollständig eliminieren. Da aber häufig sehr junge Tiere (36 Monate), und immungeschwächte sowie ungeimpfte Tiere betroffen sind, ist der weitere Krankheitsverlauf davon abhängig, in welchen Organen sich das Virus festsetzt

 

Man unterscheidet verschiede Formen, die entweder eigenständig, zeitgleich oder zeitversetzt auftreten könne und unterschiedliche Prognosen haben:

1.      Schleimhautform: wässriger Nasen- und Augenausfluss, Husten, Atemnot, Bindehautentzündung

2.      Magen-Darm-Form: heftiger Durchfall und Erbrechen

3.      Hautform: blasige Hautveränderungen (sog. „Staupe-Exanthem“)

4.      Zentralnervöse Form: Wesensveränderungen, Lähmungserscheinungen, unkontrollierbare Muskelzuckungen (sog. „Staupe-Tic“), Epileptische Anfälle, Blindheit

5.      Hartballenform (hard pad desease): überschießende Hornbildung an Nase und Pfotenballen

Sind junge Tiere vor den Zahnwechsel betroffen und überleben sie die Erkrankung, bildet sich das sog. Staupegebiss: eine massive Schädigung des Zahnschmelzes der bleibenden Zähne.

Da das Virus das Immunsystem stark schwächt, treten weitere Komplikationen durch sekundäre bakterielle Infektionen hinzu.

 

Wie behandelt man die Staupe?

Eine Behandlung kann nur rein Symptomatisch erfolgen, also Flüssigkeitsersatz, Schleimlöser, Immunstimulanzien, Antibiotika gegen die Sekundärinfektionen und ggf. krampflösende Medikamente.

Während die erste bis dritte Form von der Prognose her noch als relativ gut zu bewerten sind, ist die bei den Formen vier und fünf schlecht. Diese Tiere müssen häufig wegen der Schwere der Symptome eingeschläfert werden.

Wie schütze ich meinen Hund?

Der einzige Schutz ist die regelmäßige Impfung. Eine Welpenfrühimpfung kann dabei schon mit der 4. Lebenswoche stattfinden, anschließend wird mit 8 und 12 Wochen sowie mit 16 Monaten gebooster.

Wir beraten Sie gerne, in welchen Abständen und mit welchen Impfkomponenten Ihr Hund bestens geschützt ist

Empfohlenes Impfschema des von uns eingesetzten Impfstoffes der Firma MSD/Intervet

Was muss ich noch beachten?

Wie eingangs erwähnt, befällt das Staupevirus auch Füchse, Wachsbären, Frettchen, Mader und Co. Sollten Sie ein verdächtiges Wildtier entdecken, benachrichtigen Sie  bitte umgehend Ihren Revierjäger. Fassen Sie das Tier AUF KEINEN FALL an und halten Sie Ihren Hund fern!

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, kann man häufig die gleichen Symptome beobachten wie bei der Tollwut. Daher schützen Sie sich und Ihre Tiere!

Aktuelles

 


Wir bieten regelmäßig Informationsabende zu aktuellen Themen an.

 

Die genauen Themen und Daten finden Sie im Unterpunkt "Infoabende", bei Facebook über unseren Newsletter und als Aushang in der Praxis. Um rechtzeitige Anmeldung wird gebeten.

 

 

Im Unterpunkt "Archiv" finden Sie ältere Beiträge. Gerne nehmen wir auch Ihre Anregungen zu Ihren Wunschthemen auf. Sprechen Sie uns an!